Du hast Gedanken während der Meditation? Glückwunsch!

In meinen Meditationsgruppen erlebe ich es immer wieder. Und ich kenne es auch von mir selbst: Frust oder Missmut, weil „es“ einfach nicht klappen will. „Es“ ist die gewünschte Versenkung, das „Einfach-im-Hier-und-Jetzt-Sein“, das angenehme Entlastet-Sein vom Alltags-Ich und schließlich: die Ahnung und Berührung dessen, was wir im tiefsten Wesenskern sind – eine unsterbliche Seele.
Aber vor die ersehnte Versenkung schieben sich Gedanken: An Einkäufe, die zu erledigen sind; an Auseinandersetzungen, die den Tag getrübt haben; an Arbeitsaufgaben, die morgen warten. Ach ja, und dann wollte ich ja auch noch meditieren. Puh. Also noch mal von vorne. Atmen – Aufmerksamkeit ausrichten – und schon beginnt der nächste Gedankenkreisel. Nach 20 Runden ist man dann k.o. Und das soll hilfreich sein?
Keine Sorge, Du machst nichts falsch wenn Du das erlebst. Das Problem liegt nur in der Ausrichtung. Wir wollen so dringend zur entspannten Glückseligkeit. Wir wollen so dringend erfahren, wer wir wirklich sind. Und weil wir schon vorher wissen, was wir wollen, verpassen wir die heilige Eintrittspforte. Nämlich den Moment der Präsenz.

Präsenz ist der Schlüssel. Präsenz heißt, dass wir uns bewusst sind, was geschieht. Wenn Du merkst, dass Du in Gedanken abgleitest, dann gratuliere Dir. Glückwunsch! Du hast gerade eine Botschaft Deines zeitlosen Wesens, Deines Bewusstseins jenseits des Verstandes erhalten. Jedes Bewusst-Werden, nicht in der Präsenz zu sein, ist eine Rückkehr in die Präsenz. Statt uns aufzuregen, dass wir es nicht richtig machen, können wir uns entspannen. Es ist alles so, wie es ist. Es ist eine Einladung dazu, wach zu sein für das, was in jedem Augenblick präsent werden möchte. Und das wissen wir einfach nicht vorher. Es geschieht und wir erfahren. Das ist bewusst. Sein. Tun und Sein verschmelzen miteinander.

Was uns unruhig macht ist, dass diese Präsenz nicht gedacht werden kann und nichts mit dem Verstand zu tun hat. Damit fallen unsere üblichen Kontrollmechanismen weg. Das berühmte Ego fühlt sich bedroht und schaltet möglichst schnell die nächste To-Do-Liste dazwischen. Denn, wer wären wir denn, wenn wir nicht denken? Was bleibt dann noch von uns übrig? Wer bin „Ich“ wenn ich die Gedanken nicht mehr bewusst verfolge?
Als ich anfing ernsthaft zu meditieren wurde ich regelmäßig von regelrechten Schlafattacken überwältigt. Auch morgens, eigentlich frisch und ausgeruht. Auch im Sitzen. Mein Ego wollte mit aller Macht verhindern, dass ich mich in (von ihm) unkontrolliertes Gelände bewege.  Heute lachen wir in der Meditationsrunde drüber, wenn mal wieder „Gedankenkreiseln“ angesagt ist. Und genießen die Reisen im bewussten SEIN.